Eine tierisch gute Geschichte über Wolle, Nachhaltigkeit und warum wir alle wieder Stricken sollten.

Das Schaf Josef steht auf einer Weide in Schleswig-Holstein.
Unser Nachbar Josef und treuer Wolllieferant. Foto: Dagmar Bily

Wunschlos glücklich

Tatsächlich hat Josef ein sehr schönes Leben. Inmitten eines Naturschutzgebiets lebt er mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter glücklich und zufrieden und kümmert sich um den Nachwuchs. Außer Essen und Trinken ist auf dieser Weide nicht viel los, daher sind Spaziergängerinnen wie ich eine willkommene Abwechslung. Die auch entsprechend begrüßt wird.

Wie weich und wie schön das Fell ist. Und wie es duftet. Das zwischen Josef und mir war Liebe auf den ersten Blick. Ich besuche ihn bei jedem Spaziergang und freue mich, dass es ihm gut geht. Natürlich habe ich kurzzeitig über eine Schafherde bei uns im Garten nachgedacht, aber leider auch sofort wieder verwerfen müssen.

Wie kommt die Wolle ins Regal?

Bei so viel Nähe macht man sich seine Gedanken darüber, wie die Wolle eigentlich in unsere Ladenregale kommt. Eben noch Josefs ganzer Stolz, ein Wintermantel in Wollweiß (voll im Trend) auf seinem Körper und dann als Knäuel im Regal? So einfach ist es nicht und das erklärt auch den Preis für hochwertigr Wolle beim Händler.

Detailansicht eines Schaffells.
Josefs ganzer Stolz. Reine Schafwolle, ein Traum! Fotos: Dagmar Bily

Vom Schafsfell zur versponnenen Wolle

Leider konnte ich nicht alle Arbeitsschritte für euch fotografisch festhalten, daher nur die kurze Beschreibung. Natürlich variieren die Schritte je nach Hersteller und Garn, aber eines ist klar, bis wir die Wolle auf dem Ladentisch haben, ist es ein langer Weg.

  • Nach der Schur findet die Weiterverarbeitung, das Säubern, das Entfernen von Ästen, Disteln und anderen Rückständen der Natur, statt.
  • Danach kommt das Waschen und Kämmen bzw. Kardieren. Wie man sich vorstellen kann, braucht es dazu spezielle Maschinen und Firmen, die genau das anbieten.
  • Von dort geht es in die Spinnereien, die die gereinigte Wolle erst kämmen und später verspinnen.
  • Das Färben der versponnen Wolle übernehmen die Färbereien.

Nachhaltige Produktion und ihr Preis

Wieviel sind wir bereit zu zahlen? Josef, mein Nachbar und edler Spender, ist nur froh, dass er mit dem Ganzen nichts zu tun hat und weiterhin sein herrliches Leben in der Natur verbringen kann.

Aber für den Schäfer, die Spinner, die Färber, die Garnfirmen sind das existentielle Themen.

Die Frage treibt mich um. Wie steht ihr dazu? Was darf eurer Meinung nach ein Knäuel Wolle kosten?

In einer idealen Welt würde ich immer Höchstpreise bezahlen, wenn dabei hervorragende Qualität herauskommt. Aber ich bin eben auch keine Heilige, was Nachhaltigkeit angeht. Ich esse immer noch Fleisch, benutze ein Auto und wenn mir eine Wolle gefällt, frage ich nicht immer nach, wo sie her stammt.

Ich bin einfach nur dankbar für diesen wundervollen nachhaltigen Rohstoff, der immer wieder nachwächst und uns so glücklich macht. Und am Ende wünsche ich mir, dass alle Schafe so glücklich sind wie Josef.

Fotos: Bob Leinders, Adriano Brusaferri, Dagmar Bily. Styling, Konzept: Dagmar Bily

Vielleicht wollt ihr euch noch ein paar Videos dazu ansehen:

Im ersten Video erzählt Orson Wells die ganze Geschichte von der Schur bis zum fertigen Stoff.

Hier geht es um englische Wolle, mit wahnsinnig süßen Schafen. Da geht einem das Herz auf. Darin ist auch Interview mit einer Schafzüchterin zu sehen.

Zuletzt noch dieser coole Clip von Woolmark, darin seht ihr auch von der Schur bis zum Stoff. Held des Films ist eine Wollflocke, die durch den Film begleitet.

Alles Liebe, Dagmar

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